Licht

Dem Licht gewidmet.
Liebes Licht,
ich möchte mich für so vieles entschuldigen.
Hautsächlich die sträfliche Nichtbeachtung.
Es tut mir Leid.

Licht – Resignation

Neulich habe ich mich gefragt, wie sich wohl ein Lichtstrahl fühlen mag, der in mein Zimmer fällt. Auf den ersten Blick natürlich eine recht ungewöhnliche Frage, das gebe ich durchaus zu. Auf den zweiten Blick jedoch auch irgendwie logisch.
Stellen Sie Sich vor – Sie sind durch den luftleeren Raum unterwegs, legen gigantische Strecken in einer noch unvorstellbareren Geschwindigkeit zurück. Die Erde erstrahlt unter Ihnen, die Ozeane spiegeln Sie wieder, ohne das Sie je persönlich getroffen haben. Blumen öffnen Ihre Blüten um Sie zu begrüßen. Sie nehmen das alles natürlich nur aus den Augenwinkeln wahr – schließlich sind sie immer noch unglaublich schnell. Und doch erfüllt es Sie mit Stolz. All das erreichen Sie binnen Sekundenbruchteilen.
Dann steuern Sie auf ein Haus zu, ein Fenster. Jedes Fenster ist so gut wie das andere – denken Sie. Sie stürmen herein um Ihren Siegeszug fortzusetzen, um einen letzten Blick auf ein Lächeln zu erhaschen bevor Ihre Reise zu Ende geht. Sie stürmen herein und sehen… nichts und niemanden.
Enttäuschend, oder?

Licht II – Odyssee

Selbstverständlich ist es nicht so, das ich noch nie Licht in meinem Zimmer gesehen habe. Oft wird das gutmütige, fleißige Licht aber tatsächlich von mir sträflich vernachlässigt – einem vollkommen unbemerkten Tode übergeben. Ich verlasse das Haus bevor die Sonne den Horizont überschritten hat, und kehre erst wieder zurück, wenn Mond und Sterne den Himmel beherrschen.
Hiermit wären wir aber bei Ihrer Chance. Sie, das Licht, können doch darauf hoffen, mich in meinem Zimmer zu treffen, lächelnd. Lächelnd weil Sie mich besuchen. Streifen Sie einfach den Mond auf Ihrer Reise und lassen Sie Sich nun in Richtung Erde schicken. Selbstverständlich sind Sie nun fahles und weißes Mondlicht – gibt es andere Attribute um Mondlicht zu beschreiben? Selbstverständlich wird die Reise nun langweiliger – der Ozean schläft eben so tief wie die Blumen. Aber vielleicht – vielleicht – treffen Sie mich. Das ist doch auch etwas wert, oder?

Licht III – Rationalität

Sie hätten es gerne einfacher, nicht wahr? Erst zum Mond und dann zurück? Für den Menschen mag das eine tolle Sache sein. Auf dem Mond spazieren gehen. Golfbälle so weit schlagen, wie es sich niemand je erträumt hätte. Nett.
Aber Sie als Lichtstrahl… nur ein unnötiger Umweg. Der Mond ist langweilig. Keine Ozeane, keine Blumen. Nicht einmal ein Fenster. Warum also bis zum Mond?
Also, Sie hätten es gerne einfacher. Natürlich. Seien Sie ein Leuchten über den Städten. Jede Stadt leuchtet nächtens in einem unheimlichen, gelben Rot. Sieht man das Leuchten aus der Ferne, es könnte als Vorlage für Dantes Inferno hergehalten haben. Würde die Rationalität mir nicht Einhalt gebieten, selbst ich könnte glauben, einen Blick direkt auf den Höllenschlund zu werfen. Ja, die Zeit mag Ihre Schüler töten, aber die Rationalität tötet den Dichter und Poeten. Aber ich schweife ab.
Seien Sie also ein unheimliches, gelbes Leuchten über einer Stadt und besuchen Sie mich.

Licht IV – Augenzwinkern

Ich habe eine – von mir gerne totgeschwiegene – Vorliebe für skurrile Lieder. Ja, ich gebe es zu. Einmal schriftlich und dann nie wieder.
Die Musikkapelle „Samba“ schrieb vor vielen Jahren ein Lied, das mein Verhältnis zum Licht geändert haben mag. Es heißt „Das Licht“ und handelt von dem Licht, das aus dem Kühlschrank einer Küche kommt.
Letzte Chance.
Schlagen Sie die Brücke.

Resignation – Odyssee – Rationalität – Augenzwinkern – Ende

Eine Antwort zu Licht

  1. Fan sagt:

    Oha. Dieses kleine Werk gefällt mir ehrlich! Super!

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